Informationsstelle
für verheiratete
Männer und Frauen

Die Familie und ihre Zerstörer

Was schief läuft und was anders werden muss – Eine überfällige Debatte

Informationsstelle
für verheiratete
Männer und Frauen

4.1.3. Die gesellschaftliche Ebene

Die Familien­zerstörung bleibt nicht ohne schwerwiegende Folgen auf die Allgemeinheit, weil sie nicht nur Autonomie und Freiheit des Einzelnen bedroht, sondern auch die Grundfeste der gesamten Gesellschaft zerrüttet, in der die Familie die kleinste Einheit des Staates darstellt.


zurück4.1.3.1. Der Geschlechterkampf und Verstaatlichung der Familie

Scheidung und Abtreibung gelten als Mittel, die den Zweck der „Frauen­befreiung“ heiligen. Die in fremde Obhut gegebenen Kinder sollen aber auch ihrerseits „aus der elterlichen Zucht und Ordnung befreit“ werden, wofür man die anti­autoritäre Erziehung erdachte: „Kinder, verkündeten die selbst ernannten Gesell­schafts­verbesserer, bräuchten Freiräume, auch sexueller Art, in denen sie ihre natürliche Neugier und schöpferischen Kräfte austoben könnten, ohne darin durch Erwachsene gebremst und ‚angepasst‘ zu werden.“ Im Zug dieser neuen Glück­seligkeits-Ideologie wurde der Vater immer mehr als strafende Instanz der Familie verpönt. Mit dem Scheidungsboom entstanden rund zwei Millionen Scheidungs­waisen, die Aufgrund von Umgangs­boykott „allein­erziehender“ Mütter der Vater­entbehrung preisgegeben werden.

Aber weil die Frau ja dem Ideal der Berufstätigkeit entsprechen soll, werden nach den Vätern auch die Mütter von den Kindern verdrängt. Das vorbild­gebende Beispiel der Eltern, und deren Einbindung in die Schulausbildung ihrer Kinder, wird mehr und mehr aufgehoben. „Vertrauen Sie uns“, teilt man den Eltern an Einschulungstagen mit. „Vertrauen Sie Ihren Kindern. Lernen Sie loslassen.“: Eltern, die ihre Kinder immer noch erziehen und ihnen Grenzen setzen wollten, wurden von der anti­autoritären Fraktion als „Klammer­affen-Eltern“, „Gluckhennen-Mütter“ und „Kindes­unter­drücker“ herabgewürdigt. Konsequenterweise dazu arbeiten Politiker wie Ideologie-Missionare auf die Beliebigkeit der Familien­zusammen­setzung hin. Von Samenbank-Kindern bis zur Glorifizierung allein­erziehender Mutterschaft war alles Mögliche angesagt, solange es nur nicht dem klassischen Familienmodell entspricht. Insbesondere den Vater grenzten die vermeintlichen Weltverbesserer immer mehr aus Familie und Erziehung aus.

Auf die Ausgrenzung der Väter folgte bald die Verdrängung auch der Mütter aus der Erziehung. Diese begann damit, dass Feministinnen anlässlich der Pekinger Weltfrauen­konferenz in einem UN-Dokument fixierten, dass die Bezeichnung „Mütter“ eine Diskriminierung der Frau darstelle und deshalb durch die Formulierung „Frauen in Zeiten der Kinder­erziehung“ zu ersetzen sei. Dieser Irrsinn ist inzwischen anhand des Umgangs der Medien etwa mit Eva Herman für jeden sichtbar geworden, wo Verteidigerinnen traditioneller Familien zwischen „Steinzeit­keule“ und „Mutter­kreuz“ angesiedelt werden.

In immer neuen Studien ging es darum, leibliche Mütter in Deutschland als Total­versagerinnen zu entlarven. Forschungs­auf­träge richten sich vor allem an der Zielsetzung aus, Familien in ihrem Versagen zu beobachten. Das passt zum Ziel der Familien­politik, Kinder statt dem eigenen Elternhaus lieber einer Fremdbetreuung zu überlassen. Die soziale Entwurzelung der Kinder nimmt inzwischen erhebliche Ausmaße an, was sich unter anderem auf die Schule auswirken.[1]

„Wenn private Verantwortungs­losigkeit weiter durch die Übernahme von Verantwortung durch Behörden subventioniert wird, werden wir nur noch mehr private Verantwortungs­losigkeit ernten.“ [2]

„Die traditionelle Familie existiert nicht mehr, denn neue familiäre Strukturen haben sich entwickelt. Heute wechseln familiäre Bezugs­systeme mit großer Geschwindigkeit durchschnittlich alle vier bis fünf Jahre. Im Gegensatz dazu dauerten sie noch in den 70igern durchschnittlich 25 Jahre. Die fehlende Stabilität macht den Kindern Angst und ist eine praktisch vorexerzierte Bindungs­problematik.“ [3]

„Das Ziel der Psychiatrie wird es zukünftig sein, die Bedingungen für eine ‚neue Normalität‘ zu schaffen.“ [3]

Wieviele Ehen wurden aufgrund der perversen sozial­staatlichen Anreize geschieden oder nie geschlossen – und wie viele Kinder haben dadurch ohne festen Vater gelitten? Wer hat je die Seelen der Kleinsten gezählt, die dieser Sozialstaat zerstört hat? Die gewollte staatliche Lufthoheit über den Kinder­betten ist nicht zuletzt eine Folge der Sozialpolitik, trauen doch deren Macher selbst ihrer eigenen Klientel nicht mehr zu, die durch Gesellschafts­klempnerei geborenen eigenen Kleinen auch zu umsorgen. Der Staat macht sich seine Bürger zu abhängigen Untertanen und erwartet dafür Dankbarkeit in Form von Wählerstimmen.

zurück4.1.3.2. Die Familienzerstörung erodiert Gesellschaft und Staat

Alexander Mitscherlich (1908-1982) warnte vor der „vaterlosen Gesellschaft“, in der es keinen Zusammenhalt mehr gäbe, da jeder um sein eigenes Überleben ringe – für Moral und Zurückhaltung sei kein Raum mehr, wolle man nicht selbst untergehen. Die Menschen handeln nicht mehr aus eigenem Vermögen, sie re-agieren nur noch auf die Zumutungen der gesichtslosen Gesellschaft. Dass hierbei die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens zerstört wird, ist die wahre Tragik der Demontage echter Autoritäten. Funktionierende Gesellschaften pflegen einen fairen Austausch materieller und immaterieller Güter und achten das Eigentum. Die Bilanz von Geben und Nehmen prägt auch die sozialen Verhältnisse der privaten Atmosphäre einer Familie. Wo die Vermögens­buch­haltung durch Eingriffe von außen gestört wird, erodieren Verantwortungs- und Mitgefühl der Gruppen­mitglieder. Damit wird das Ende des fruchtbaren Miteinanders eingeläutet, das Gegeneinander beginnt.[4]

Die Auflösung familiarer Strukturen wird immer größere Defizite im Gemeinwesen bewirken. Dem wird entgegen­gewirkt, indem der Staat ein Teil dieser Aufgaben zu übernehmen versucht. Das führt unter anderem zu seinem Aufblähen der so genannten Sozialausgaben. Das bedeutet aber immer höhere Steuern und Abgaben für die Leistungs­träger der Gesellschaft. Das Leistungs­prinzip wird dadurch immer weiter untergraben, ohne dass es dem Staat wirklich gelingen würde, familiare Strukturen zu ersetzen, weil der Staat eben öffentlich und Familie privat ist. Verstaatlichung bedeutet neben Verlust von Freiheit immer auch mehr Bürokratie. In der Pflege­versicherung hat das beispielsweise dazu geführt, dass die Hälfte der Gelder für die Dokumentation der geleisteten Arbeit der Pflegekräfte und für die Kontrolle der Dokumentation durch die Verwaltung ausgegeben wird. Es wurde bereits die HelferInnen­industrie, die aus der Familien­zerstörung ihren Vorteil an Aufträgen und Profit hat. Sowohl Staat als auch HelferInnen­industrie verfolgen eben ihre ganz eigenen Interessen, und das sind in aller Regel nicht die Interessen der Familien und der Bürger.

Grausamer noch als jede Diktatur sei „die Herrschaft des Niemand, die eigentliche Staatsform der Bürokratie“, schrieb die Publizistin Hannah Arendt (1906-1975). Das zwanghafte Handeln der Menschen in einer unglücklichen Situation der Orientierungs­losigkeit als „unmoralisch“ zu bezeichnen, ist nicht nur der falsche Denkansatz, es ist auch zutiefst ungerecht und ehrverletzend. Typisch ist, dass sich die Moralisten unter den Anklägern selbst ausnehmen – sie fühlen sich als einsame „Hungeropfer“ in der unmoralischen Masse der „Würstchen­fresser“.[4]

Das tückische an der Entwicklung ist, dass die Gesellschaft mit Versprechungen von der „individuellen Freiheit“ in die bürokratische Diktatur hineinläuft. Je stärker die Familienkultur verloren geht, desto stärker wird das Gewicht des bürokratischen Staates und der kapitalistischen Wirtschaft. Letztlich bleibt auch die individuelle Freiheit auf der Strecke, die eben auch ihre Schutzräume vor staatlicher Bürokratie und wirtschaftlichem Kapitalismus braucht, um sich entfalten zu können.

zurück4.1.3.3. Keine Familie ohne Haupt

Wie bereits angedeutet, ist die Enthauptung der Familie ein Meilenstein auf dem Weg der Familien­zerstörung. Als Vorwand für die Abschaffung des Familien­ober­haupts dient dem Gesetzgeber die Emanzipation der Frau. Für die Gleichheit vor dem Gesetz wäre es ausreichend gewesen, das Bürgerliche Gesetzbuch dahingehend anzupassen, dass die Rolle des Familien­ober­hauptes auch von einer Frau übernommen werden kann. Es wäre dann der Entscheidung des Ehepaares gewesen, ihre Rollen­verteilung eigenverantwortlich zu regeln. Mit Abschaffung des Familien­ober­hauptes wurde der Familie der innere Zusammenhalt genommen, ja gewissermaßen das Rückgrat gebrochen. Damit wurde eine Bresche in die Familie geschlagen, über die der Staat in die Familien­angelegen­heiten eingreifen kann, indem er sich in der Rolle des Familien­richters auf die vakant gewordene Stelle als Letztentscheider setzte.

Der Staat bekämpft das klassische Patriarchat nicht deshalb mit allen Mitteln, weil er Frauen und Kindern etwas Gutes tun will, sondern um sich des dadurch entstehenden Machtvakuums selbst zu bemächtigen.
In jeder Gesellschaft müssen die drei Zivilebenen Individuum, Familie und Staat ihre Kompetenzen gegeneinander abgrenzen und zu einem Gleichgewicht finden. Die moderne westliche Gesellschaft kennt nun beinahe nur noch die staatliche Struktur, der das einzelne Individuum gegenübersteht. Schrittweise Änderungen der Rechtsordnung haben die faktische Bedeutung der Familienebene immer mehr geschwächt und ihrer Vitalität beraubt. Hauptsächlich totalitäre Staaten haben den Familien­zusammenhalt zielgerichtet geschwächt, weil eine atomisierte Masse, die der natürlichen sozialen Strukturen entkleidet ist, leichter zu beherrschen ist. Auch Demokratien erliegen im Wettbewerb um die Loyalität des Einzelnen – der zwischen Staat und Familie immer ausgetragen wird – leicht der Versuchung, die Familie zu schwächen und ihre Verantwortung zu beschneiden, um die staatliche Einfluss­sphäre auszudehnen. Wo der familiäre Verantwortungs­rahmen durch veränderte gesellschaftliche Verhältnisse schrumpft, wird in aller Regel der Staat das entstehende Machtvakuum ausfüllen. Der starke, gesunde Oikos (Haus- und Wirtschafts­gemeinschaft) ist das Schreckensbild jedes Diktators. Nur Individuen sind leicht und ohne die Gefahr größeren Widerstandes zu beherrschen.
Das Patriarchat ist eines der Lieblings­feind­bilder der Moderne, aber keine patriarchalische Struktur hat je soviel Schaden anrichten können wie die neuzeitlichen Symbiosen aus Individualismus und starkem Staat, schon allein deshalb, weil der Einfluss­bereich eines jeden Patriarchen enge natürliche Grenzen hat. Und selbst die demokratische Gewalten­teilung, welche die schlimmsten Wucherungen staatlicher Totalität beschränken soll, ist bei weitem nicht so effektiv wie die natürliche Gewalten­teilung durch die Stärkung der mittleren, der familiären Gesellschaftsebene. Strenggenommen ist diese viel beschworene Gewalten­teilung nur noch Augenwischerei: Denn die Teilung der Macht zwischen Legislative, Exekutive und Judikative ist nur eine Aufteilung der Macht zwischen verschiedenen staatlichen Organen. Der Staat teilt sich also seine Macht mit sich selbst.[5]

Im Abschnitt 3.1. wurde deutlich, dass der Staat bei der Familien­zerstörung eine wichtige Rolle spielt. Der Erhalt und die Stärkung der Familien dienen aber nicht nur dem privaten Glück, sondern sind auch ein wichtiges gesellschaftliches Element für eine gesunde Machtverteilung innerhalb eines Staates. Die Familie wurde also nicht zu Unrecht in Artikel 6, Absatz 1 GG unter den besondern Schutz der staatlichen Ordnung gestellt.

Niemand würde ein Flugzeug besteigen, wenn es nicht einen Chefpiloten hätte und niemand würde mit einem Schiff reisen ohne Kapitän. Jede Firma hat einen Geschäfts­führer, jedes Einsatz­kommando einen Befehlshaber und keine Stadt verzichtet auf einen Bürgermeister. Obwohl das für jeden einsichtig ist und kaum anders vorstellbar ist, ist in der Gesellschaft die seltsame Vorstellung verbreitet, ausgerechnet die Familie käme ohne Struktur aus. Mit der Entscheidungs­kompetenz geht aber die Verantwortungs­kompetenz verloren und auch die Handlungs­souveränität. Die Menschen merken gar nicht, wie sie ihre Freiheit aufgeben, weil sie weite Bereiche ihres Lebens dem Staat überlassen.

Kurioserweise bringt man die Menschen dazu, ihre Freiheit aufzugeben, indem man ihnen mehr Freiheit verspricht. Der Feminismus versprach den Frauen, sie von der Unterdrückung durch das Patriarchat zu befreien. Viele tausend Frauen verlassen jedes Jahr Familie und Ehemann, weil man ihr einredet, dass sie alleine besser leben kann und die „Große Freiheit“ winkt. Das endet in vielen Fällen damit, dass Frauen als Alleinerziehende von Transfer­leistungen des Staates abhängig leben. Emanzipation sieht allerdings anders aus. Männer erreichen die Familien­zerstörer mit der verlockend scheinenden Aussicht, sich von der Last der Verantwortung für die Frau befreien zu können. Frauen sollen selbst berufstätig sein und „ihr eigenes Geld“ verdienen und der Mann solle sich von der Idee verabschieden, der Familien­ernährer sein zu wollen. Spätestens, wenn er vom Familienrichter zu Unterhalts­leistungen für eine nicht mehr existierende Familie verurteilt wird, merkt auch er, dass er betrogen wurde.

Ganze Heerscharen von Juristen, Feministen und anderen Angehörigen der HelferInnen­industrie verhindern sehr wirkungsvoll, dass getrennte Ehepaare wieder zusammenkommen. Nicht wenige geschiedene Paare werden gar nicht richtig gewahr, was sie eigentlich auseinander getrieben hat. Oft wird die Ursache allein im Expartner gesehen, obwohl da auch ganz andere Kräfte am Wirken sind, wie in diesem Werk dargelegt wurde. Am Ende sind die Menschen nicht frei, sondern nur allein.



[1] Marika Schaertl: Gesellschaft: K.O. durch Scheidung, Focus am 30. September 1994
[2] Dr. Konrad Adam: Staat oder Eltern?, Freie Welt am 12. Juli 2010
[3] Jeder zwölfte Erwachsene leidet unter Sozialangst, Rom am 25. Februar 2005; Kopie 1, Kopie 2
[4] a b Karin Pfeiffer-Stolz: Des Zornes und der Empörung Wellen, Freie Welt am 26. Oktober 2011
[5] Geiers Notizen: Flaschenpost aus dem „Volksheim“, 14. Januar 2011; Nachlegt: Causa Hüls, 25. Juni 2011