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Die Familie und ihre Zerstörer

Was schief läuft und was anders werden muss – Eine überfällige Debatte

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3.4.9. Die westliche Kultur

Was bisher fehlte war, das Phänomen Familienzerstörung in einem größeren Zeitrahmen zu sehen und in einen ideen­geschicht­lichen Gesamt­zusammen­hang zu stellen. Westliche Philosophen, Politiker, Künstler, Wissen­schaftler und Theologen haben jeweils ihren Beitrag dazu geleistet, was man als „westliche Kultur“ bezeichnen könnte. Wenn immer vom „Zeitgeist“ die Rede ist, müsste eigentlich genauer bestimmt werden, was genau damit gemeint ist. Was heute als Zeitgeist aufscheint, hat meist seine Ursachen, die schon weiter zurückreichen und dabei meist außerhalb des Erinnerungs­vermögens der meisten Mitmenschen liegen.

Wenn immer vom „Zeitgeist“ die Rede ist, müsste eigentlich genauer analysiert werden, was genau damit gemeint ist. Es würde aber für dieses Buchprojekt zu weit gehen, den dafür erforderlichen Aufwand zu betreiben, um die gesamte Geistes­geschichte Europas zu durchleuchten. Tatsächlich greift es zu kurz, die Familien­zerstörung allein auf linkes und feministisches Denken zurückzuführen. Die Zusammenhänge sind viel komplexer und reichen weiter zurück als die Bücher „Der Ursprung der Familie, des Privat­eigenthums und des Staats“ (1884) von Friedrich Engels und „Das andere Geschlecht“ (1949) von Simone de Beauvoir.

Für eine genaue Ursachen­analyse müsste die Entwicklung dreier Linien verfolgt werden: die philosophische, die wissenschaftliche und die religiöse Entwicklung Europas. Erst auf dieser Basis könnten wir verstehen, wo wir uns heute mit unseren intellektuellen Vorstellungen und in unserem täglichen Leben (wozu auch unser soziales und politisches Leben gehört) befinden.

zurückEinbettung des Themas Familienzerstörung in die europäische Kulturgeschichte

Dieser Abschnitt wurde erst sehr spät ins Buchprojekt aufgenommen, nachdem bereits die familien­rechtlichen Implikationen der Familien­zerstörung analysiert und die Profiteure der HelferInnen­industrie beschrieben waren. Der Grund dafür liegt in der offen gebliebenen Frage, warum alles so kam, wie es gekommen ist. Familien­politische Diskussionen bleiben merkwürdigerweise immer an der Oberfläche, so wird zwar beispielsweise in Talkshows leiden­schaftlich um das Für und Wider staatlicher Kinder­betreuung gestritten, ohne dabei aber je in die Tiefe zu gehen. Da wird ein gesetzliches Recht auf Kinder­garten­plätze beschlossen und eine Eva Herman als Nazi abgestempelt. Warum aber ist das so? Da wurde europäischen Frauen die Last der Schwangerschaft genommen und ein „Recht auf Abtreibung“ zugesprochen, und jetzt, wo außerhalb Europas Kinder geboren werden müssen, damit wir sie dann als Migranten zum Ausgleich des Geburten­defizits ins Land holen können, wird alles gut? Simone de Beauvoir beklagt in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“, dass ein „Fleisch­klumpen“ die Frauen in der Schwangerschaft verunstalten und sich ihrer wie ein „Parasit“ bemächtigen würde, Elisabeth Badinter beklagt in „Der Konflikt. Die Frau und die Mutter“, dass ein „gefräßiges, despotisches Baby, das seine Mutter verschlingt“ die Mutter zum Stillen und Betreuen nötigen würde. Wenn aber nun der Säugling mit künstlichem Babybrei gefüttert und von einer Lohnarbeiterin betreut würde, wird alles gut?

zurückAufstieg und Niedergang der westlichen Kultur

Francis Schaeffer beschreibt in „Wie können wir leben?“ über den „Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur“[1], Platon habe etwas Entscheidendes erkannt: Wenn es kein Allgemeines (keine Universalien) gibt, dann haben die einzelnen Dinge (das Besondere) keinen Sinn. Mit dem Besonderen meinen wir die Dinge um uns herum, aber auch uns selbst, die Menschen. Platon verstand, dass die einzelnen Dinge mit denen man sich befasst, keine Bedeutung haben, wenn es keine Universalien (oder kein Allgemeines) gibt. Erst das Allgemeine gibt den einzelnen Dingen Einheit und Sinn im Ganzen. Das Christentum hat das geleistet: Weil die frühen Wissenschaftler glaubten, die Welt sei von einem vernünftigen Gott geschaffen worden, überraschte es sie nicht, dass es Menschen möglich war, auf der Basis der Vernunft wahre Dinge über die Natur und das Universum herauszufinden. Das war ihre erkenntnis­theoretische Grundlage, durch die sie sicher sein konnten, dass Erkenntnis möglich war. So machte die christliche Grundlage die moderne Wissenschaft erst möglich. Aus dem christlichen Weltbild ergab sich auch die Gewissheit, dass es tatsächlich so etwas wie eine objektive Realität gibt, die die Wissenschaft untersuchen kann. Im Gegensatz zum hinduistischen und buddhistischen Denken ist im christlichen Weltbild die Welt wirklich vorhanden und kann objektiv erforscht werden. Alle Dinge waren von Gott geschaffen und konnten deshalb von Menschen untersucht werden. (Nach christlichem Verständnis wurde das Universum, die Welt und der Mensch von einem vernünftigen Gott erschaffen. Also kann man mit Vernunft und mit wissen­schaftlichen Methoden diese Schöpfung erforschen und zu Wissen gelangen. Damit ist eine Grundlage für Wissenschaft gelegt.)

Dass das Allgemeine dem Einzelnen erst Einheit und Sinn gibt, kann am einfachsten im Bereich der Moral gezeigt werden. Wenn es keinen absoluten moralischen Maßstab gibt, dann lässt sich nicht endgültig sagen, ob etwas gut oder böse ist. Mit absolut ist hier etwas gemeint, das immer gilt, das immer einen endgültigen Maßstab liefert, ein „Allgemeines“. Es muss ein Allgemeines geben, wenn es wirklich Werte geben soll. Wenn es jenseits der menschlichen Gedanken kein Allgemeines gibt, dann gibt es keine letzte Instanz, an die man sich wenden könnte, wenn die moralischen Entscheidungen verschiedener Einzelner und Gruppen miteinander in Konflikt geraten. Es bleiben widersprüchliche Meinungen, von denen eine so gut wie die andere ist.

Die christliche Basis wurde von den Wissenschaftlern im 17. und 18. Jahrhundert immer weiter an den Rand gedrängt und schließlich aufgegeben. Francis Schaeffer beschreibt, wie sich die in sich verschränkten Entwicklungen von Philosophie, Künsten, Wissenschaft und Theologie in Europa vollzogen haben.

zurückVon Rousseau über Darwin bis Hitler

Rousseaus Konzept der autonomen Freiheit hatte den Menschen zum Ziel, der alle Maßstäbe, Werte und Einschränkungen der Gesellschaft bekämpft. In der Französischen Revolution endete das in einem Blutbad der Guillotinen. Der Verantwortliche für den Großen Terror, Robespierre, war ein glühender Anhänger der Ideale Rousseaus. Das Paradies des neuen Sowjet­menschen ist in den Gulags erfroren und in der planwirt­schaftlichen Bürokratie der Einheitspartei versumpft: Michail Gorbatschow musste das menschen­feindliche Experiment letztlich abbrechen, weil sein Land vollständig ruiniert war. Auch Hitlers Utopie des arischen Menschen scheiterte in einem Exzess an Gewalt und Größenwahn. Das biblische Christentum hatte jeglichen Einfluss auf die gesellschaftliche Normen in Europa verloren. Nach christlichem Verständnis schuf Gott die Welt und den Menschen nach seinem Bild. Das ist ein klares Zeugnis dafür, dass die Welt Gottes und die Menschen einen wirklichen Wert besitzen.

Der Humanismus kann keine absoluten Maßstäbe erstellen. Als Konsequenz der humanistischen Position wird die Moral des privaten und politischen Lebens eine Frage völlig willkürlicher Entscheidungen. Das national­sozialistische Deutschland und das kommunistische Russland sind dafür eindrucksvolle Belege. KZ und Gulag, letztlich aber auch die Atombomben­abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zeigen, dass der Mensch keinen Wert mehr besitzt. Es ist zwar viel von „Menschenrechten“ die Rede, doch das erweist sich als leeres Geschwätz, wenn das nächste Kind abgetrieben und der nächste Vater entsorgt wird. Auch haben die menschen­verachtenden Experimente des John Money an David Reimer nicht einen Menschen­rechtler gekümmert.

Seitdem die Wissenschaftler in ihrem Konzept des geschlossenen Systems keinen Platz mehr für Gott haben, gibt es auch keinen Platz für den Menschen. Der Mensch wurde vom Abbild Gottes zu einem Zellhaufen degradiert, den man problemlos aus dem Bauch einer Schwangeren entfernen, per Operation das Geschlecht ändern, oder in KZs oder Gulags vernichten kann; verkürzt ausgedrückt ist der Mensch nach wissen­schaft­licher Meinung heute Urschleim plus Zufall plus Zeit. Der Mensch wird innerhalb eines materialistischen Weltbildes durch die Gleichförmigkeit von Ursache und Wirkung erklärt. Den Beginn machte Charles Lyell (1797-1875) durch seine Betonung der Gleichartigkeit natürlicher Kausalitäten im Bereich der Geologie. Charles Darwin (1809-1882) dehnte Lyells Ideen auf den Ursprung biologischen Lebens aus. Darwins Idee erfuhr allgemeine Verbreitung durch Thomas Huxley (1825-1895). Herbert Spencer (1820-1903), der den Begriff „Überleben des Stärkeren“ eigentlich erst geprägt hat, dehnte die Theorie der biologischen Evolution auf alle Lebensbereiche aus, auch auf das ethische Verhalten. Er schrieb: „Die Armut der Unfähigen … das Verhungern der Faulen und das Beiseite­drängen der Schwachen durch die Starken … sind die Beschlüsse einer großen, vorausschauenden Güte.“ Es bestand keine Notwendigkeit, die biologische Evolution zu einem „Sozial­darwinismus“ auszudehnen, aber für die Wissenschaftler, die nach dem einigenden Prinzip suchten, das dem autonomen Menschen ermöglichen würde, „alles“ anhand naturalistischer Wissenschaft zu erklären, war das ganz folgerichtig. Das war einfach ihre Art einen Bezugsrahmen zu schaffen, durch den sie versuchten, den einzelnen Dingen eine Einheit zu verleihen, dem Besonderen, den Einzelheiten des Universums und der menschlichen Geschichte. In „Physik und Politik“ mit dem Untertitel „Gedanken über die Anwendung der Prinzipien natürlicher Auslese und Vererbung in der Staats­wissen­schaft“ (1872) ging Walter Bagehot (1826-1877) in der Anwendung dieser Prinzipien noch weiter. Diese Prinzipien unterstützen den Rassismus und die selbstsüchtige, unbarmherzige Nutzung des Reichtums und ließ sie im Namen der „Wissenschaft“ als legitim und ehrbar erscheinen.

Diese Gedanken führen letztlich zu einer noch weit­reichenderen, aber letztlich logischen Schlussfolgerung: Heinrich Himmler (1900-1945) erklärte, das Naturgesetz müsse mit dem Überleben des Stärkeren seinen Lauf nehmen. Hitler erklärte viele Male, das Christentum und seine Idee der Wohltätigkeit müssten durch die „Ethik der Stärke über Schwäche“ ersetzt werden. Das NS-Regime ist also mitnichten das Werk von wenigen Irren und Größen­wahn­sinnigen wie Hitler, Himmler und Goebbels, sondern diese haben (letztlich folgerichtig) „nur“ das in ein politisches Programm umgesetzt, was Philosophen und Wissenschaftler in den 200 Jahren zuvor gedacht, gelehrt und vorbereitet haben. Die NS-Zeit war also keinesfalls ein überraschender Ausbruch des Bösen, sondern lediglich der Schluss­stein der europäischen Geistes­geschichte. Leider wurde in Deutschland nach dem Krieg eine Schuldkultur installiert, obwohl das Sowjetregime mindestens genauso menschen­verachtend war. Leider liegt in Deutschland immer noch das Haupt­augen­merk auf eine Handvoll Neonazis und man hat das verlogene Konzept des „Antifaschismus“ des DDR-Regimes übernommen. So bleibt der Blick verstellt auf die Frage, welchen Beitrag Rousseau, Lyell, Darwin, Huxley, Bagehot und andere an den NS-Verbrechen haben. Mit der selektiven Wahrnehmung der NS-Ereignisse bleibt die europäische Geschichte weiterhin größtenteils unaufgearbeitet, denn die philosophischen und wissen­schaftlichen Grundlagen wurden nicht infrage gestellt. Im Gegenteil, mit dem neokommunistischen Gedankengut der Frankfurter Schule, des Feminismus und Genderismus wurde der Weg sogar noch fortgesetzt. Diese menschen­verachtenden Ideologien schicken sich nun an, die Institution Familie zu zerstören, etwas, was zweifellos zu den Grundelementen der menschlichen Existenz gehört. Es wird nicht eine x-beliebige Kultur­errungen­schaft angegriffen, sondern hier wird die Axt an die Basis der Menschheit angelegt.

zurückWie der Mensch seinen Wert verlor

Der Plan der Eliten, welche die Kinder den Familien entreißen und in staatliche Kinderdepots verbringen wollen, findet sein Vorbild in Rousseau, der seine fünf Kinder in ein Waisenhaus schickte. Mit der Aufgabe des christlichen Weltbildes verlor der Mensch seinen Wert, den er als „Abbild Gottes“ hatte. Der Wert des Menschen musste nun „aus sich selbst heraus“ gefunden werden. Rousseau schrieb „Wenn der Mensch von Natur aus gut ist, wie ich – glaube ich – nachgewiesen habe, dann folgt daraus, dass er so bleibt, solange ihn nichts, das ihm fremd ist, verdirbt.“ Er kam später zu dem Schluss, dass die Menschen durch die Aufklärung, mit ihrer Betonung auf Vernunft in den Künsten und Wissenschaften, mehr verloren als gewonnen hatten. Somit gab er seinen Glauben an den „Fortschritt“ auf. Rousseau, und andere mit ihm, hielt den primitiven Menschen, den „edlen Wilden“, dem zivilisierten Menschen für überlegen. Der Gedanke, dass ein zivilisierter Philosoph und Gelehrter einen unzivilisierten Wilden für überlegen einstuft, ist schon bizarr genug. Marquis de Sade (1740-1814), von dem der Begriff Sadismus abgeleitet ist, erkannte die logische Schlussfolgerung seiner Vergötterung der Natur sehr wohl. Er fand, dass, wenn die Natur alles ist, dann ist das gut, was ist, und mehr könne man nicht sagen. Seine Grausamkeit gegenüber Frauen begründete er mit: „Da die Natur uns (die Männer) zu den Stärksten gemacht hat, können wir mit ihr (der Frau) machen, was uns gefällt.“ Es gibt keine moralischen Unterschiede, kein Wertesystem. Das was ist, ist gut. Deshalb gibt es keine Grundlage für moralische Prinzipien oder Gesetze.

Nach Hegel (1770-1831) entfaltet sich das Universum ständig, und dasselbe gilt für das menschliche Verständnis davon. Kein einziger Lehrsatz über die Wirklichkeit kann tatsächlich das widerspiegeln, was wirklich der Fall ist. Vielmehr findet man im Herzen eines gegebenen Lehrsatzes genau sein Gegenteil. Das entfaltet sich, wo es erkannt wird, und steht im Gegensatz zur These. Dennoch befindet sich Wahrheit sowohl in der These als auch in der Antithese, und wenn das erkannt wird, bildet sich eine Synthese, und ein neuer Lehrsatz beschreibt die Wahrheit einer neu erkannten Situation. Aber es erweist sich dann, dass dieser wiederum sein eigenes Gegenteil enthält, und dieser Vorgang wird ad infinitum fortgesetzt. Somit entfaltet sich das Universum und das menschliche Verständnis davon dialektisch. Kurz, das Universum erfährt mitsamt seinem Bewusstsein – dem Menschen – eine Evolution. Das Ergebnis ist, dass jede mögliche Meinung oder Einstellung relativiert werden kann.

Mit Kierkegaard (1813-1855) kam die Ansicht, dass die Vernunft immer zum Pessimismus führt, zum Höhepunkt. Das bedeutet, dass versucht werden muss, auf einer „höheren Ebene“ außerhalb der Vernunft optimistischere Antworten in Bezug auf Sinn und Werte zu finden. Der moderne Mensch lebt demnach in einer Dichotomie. Die Dichotomie ist hier die völlige Trennung zwischen dem Bereich der Sinnfrage und der Werte und dem Bereich der Vernunft. Das Kennzeichen des modernen Menschen ist also, dass die Hoffnung der älteren rationalistischen Denker, eine Einheit zwischen der Welt der Vernunft und der Welt der Sinnfrage und der Werte erlangen zu können, aufgegeben wird. Die humanistische Vernunft besagt mit den Ausdrücken Determinismus oder Behaviorismus, dass alles, was Menschen denken oder tun, in maschinenartiger Weise bestimmt wird, und dass jedes Gefühl der Freiheit oder eigener Wahl eine Illusion ist.

Jean-Paul Sartre (1905-1980) vertrat die Ansicht, dass in dem Bereich des Rationellen alles absurd ist, der Mensch aber trotzdem durch einen Willensakt selbst verwirklichen kann; jeder sollte die Rolle des Zuschauers aufgeben und in einer planlosen Welt handeln. Da aber nach Sartre die Vernunft von dieser Selbstverwirklichung getrennt ist, kann der Wille in jede beliebige Richtung gehen. Von dieser Auffassung her kann die Selbstverwirklichung entweder auf die Weise erfolgen, dass wir einer alten Dame abends über die Straße helfen, oder dadurch, dass wir unser Auto beschleunigen und sie niederfahren. Die Vernunft hat mit der Selbst­verwirklichung nichts zu tun, und nichts kann die Richtung anzeigen, in die der Wille zu gehen hätte.

Weil nun die Humanisten keine sicheren Antworten über Werte im Allgemeinen und den Wert des Menschen im Besonderen geben konnten und auch die Befragungen der „edlen Wilden“ nichts erbracht haben, hat Aldous Huxley (1894-1963) als Lösung Drogen vorgeschlagen.

zurückDer Mensch vom „Abbild Gottes“ zum Sinn suchenden Junkie

Es ist schon erstaunlich, wie die westliche Kultur, vom christlichen Weltbild kommend, ihren Sinn und ihre Werte erst beim „edlen Wilden“ suchte und dann zu der Auffassung gelangte, dass Wahrheit eine subjektive Vorstellung des Menschen ist, die durch den Gebrauch halluzinogener Drogen zu erkunden sei. Das Ideal der objektiven Wahrnehmung war damit aufgegeben. Man schlug ernsthaft vor, das Trinkwasser der Städte mit LSD zu versetzen, weil man davon überzeugt war, dass Drogen das Tor ins Paradies seien. Der Autor und Beat-Poet Hadayatullah Hübsch erlebte unter Drogeneinfluss mehrere Zusammenbrüche und kehrte nach einer Grenz­erfahrung in Marokko in einer radikalen Kehrtwendung von den Drogen zur Religion und zu göttlichen Maßstäben zurück. In „Keine Zeit für Trips“[2] beschreibt er auto­biographisch seinen Weg vom 68er-Aktivisten und Drogen­konsumenten bis zur Hinwendung zum Islam. Er berichtete, dass man damals allen Ernstes glaubte, mit Hilfe von Drogen durch Bewusst­seins­erweiterungen zu Erkenntnissen zu gelangen. Um seinen Kindern und anderen später Geborenen die Überzeugungen, Hoffnungen, und Ideale der 68er-Generation begreiflich zu machen, schreibt er „PENG. Langer Brief eines 68ers an seine Tochter“.[3] Die Drogenkultur wurde damals von vielen Rockbands getragen und populär gemacht. Den Höhepunkt stellte Woodstock dar, einem legendären Rockfestival im Sommer 1969 in den USA. Viele junge Leute der Hippie-Bewegung glaubten an den Beginn einer neuen, wunderschönen Ära. Doch das Ende dieses Optimismus kam schnell. Jimi Hendrix, ein sehr begabter Musiker und Idol der Bewegung, nahm am 18. September 1970 eine Überdosis und erstickte an seinem Erbrochenen. Was übrig blieb von dem Optimismus der 60er-Jahre nennt Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl die „drei Bastarde“ der 68er-Bewegung: Die Drogen­apostel, die Terroristen und den Feminismus.[4]

zurückDie Kunst als Spiegel der Gesellschaft

In der Kunst spiegelt sich der Zustand einer Gesellschaft. So war beispielsweise die Musik Bachs (1685-1750) eine Reaktion auf die Reformation. Es würde zu weit führen, die Entwicklung im Einzelnen nachzuzeichnen. Der Dadaismus beispielsweise ist das logische Ergebnis der Lehre, dass die ganze Welt durch Zufall entstanden sei. Das Resultat war die totale, alles umfassende Absurdität – die Menschen eingeschlossen. Als feinfühlige Menschen erspürten die Künstler den Wandel der Gesellschaft durch das neue Weltbild und drückten dies in ihren Gemälden und Texten aus.

In dem Gemälde Nackte, die eine Treppe herabsteigt (1912) von Marcel Duchamp (1887-1968) verschwindet das Menschliche völlig. Das Konzept des Zufalls und fragmentierten Seins führte zur Entwertung und schließlich zur Absurdität aller Dinge. Am Ende blieb einem nur noch eine Auffassung vom Leben, das aus Bruchstücken bestand, die wiederum in jeder Hinsicht absurd sind. David Douglas Duncan (* 1916) beschrieb in seinem Buch Picasso’s Picasso (1961) zusammenfassend über den französischen Maler: „Natürlich war kein einziges dieser Gemälde eigentlich ein Portrait, sondern seine Darstellung einer zugrunde­gerichteten Welt.“ Der Bruch mit der Renaissance, der auf der humanistischen Hoffnung der Menschen beruhte, war vollständig.

Jackson Pollock (1912-1956) zeigte beispielsweise mit seinen Installationen, die zufällige Farbkleckse auf der Leinwand verteilten, die Zufälligkeit des Menschen auf. John Cage (1912-1992) experimentierte mit Zufallstönen, mit denen er aber keine neue Musik hervorbrachte, sondern nur Lärm. Auch Joseph Beuys (1921-1986) Fettfleck (1982) wartete nur darauf, von einem Hausmeister weggewischt zu werden.

Die Hip-Hop-Kultur drückt mit DJing, MCing (Rap), B-Boying (Breakdance) und Writing (Graffiti) ein Lebensgefühl aus, indem sich Jugendliche in einem menschen­unfreundlichen Umfeld (Ghetto) mehr als Maschine denn als Menschen begreifen. Vom Paartanzen ist die westliche Jugend weggekommen und so betätigen sich Jungen wie Maiden in Tanzschuppen jeweils als Selbst­darsteller in eigener Sache. Scheidung und Familienzerbruch ist im Tanz der Jugendlichen quasi schon vorweggenommen. Der moderne Menschen bleibt völlig darüber im Unklaren, beziehungsweise wird durch so genannte Gender­wissen­schaftler völlig verunsichert, in welchem Verhältnis Mann und Frau überhaupt stehen, seitdem die biblische Aussagen verworfen wurden, und damit auch die Vorstellung, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen habe.

zurückDie Theologie erklärt die Philosophie mit religiösen Worten

Auch die Theologen haben der Selbst­entwertung des Menschen und der Verschiebung einer von einem vernünftigen und sinn­stiftenden Gott erschaffenen Welt zu einer zufälligen und absurden Welt letztlich nichts entgegensetzen können. Luther hatte noch mit seinem „Hier stehe ich und kann nicht anders“ (1521) noch einen kraftvollen Akzent setzen können. Letztlich sind die Theologen aber den von Philosophen und Wissenschaftlern gelegten Schienen nachgelaufen und haben dann die Gedankenwelt der Philosophie in religiösen Worten nacherzählt.

Die Theologen akzeptierten schließlich die Voraussetzungen des Rationalismus und machten den egozentrischen Menschen zum Mittelpunkt der theologischen Diskussion. Dies kam im 19. Jahrhundert durch die theologischen Fakultäten Deutschlands voll zum Tragen.

Karl Barth (1886-1968) führte den säkularen Existentialismus in die Theologie ein.
Albert Schweitzer (1875-1965) zeigte, dass wenn man aus dem Neuen Testament das Übernatürliche entfernte, auch der historische Jesus verloren geht. Für Schweizer blieb dann nur noch eine Art poetisch-ethischer Pantheismus. Der (vorerst) letzte Schritt ist wohl die „Bibel in gerechter Sprache“, womit (zumindest die evangelischen) Theologen feministische Vorgaben umgesetzt haben. Letztlich gelangen Theologen an dem Punkt an, wo das Wort „Gott“ zu einer bloßen Vokabel verkommt, die keinen bestimmten Inhalt mehr hat, beziehungsweise der Inhalt ohne Bedeutung ist.

Wenn die liberalen Theologen davon überzeugt sind, dass die Bibel weder über den Kosmos noch über die Geschichte gültige Aussagen machen kann, hat sie nichts, worauf sie die Anwendung der biblischen Werte in einer historischen Situation, sei es auf dem Gebiet der Moral oder auf dem Gebiet des Rechts, gründen könnte. Paul Tillich (1886-1965) war einer der herausragenden neo-orthodoxen Theologen. Auf die Frage, ob er bete, antwortete er: „Nein, aber ich meditiere.“ Ihm blieb nur die Vokabel Gott, ohne die Gewissheit, ob es mehr gibt. Die auf Tillich folgende „Gott-ist-tot-Theologie“ schloss folgerichtig, dass, wenn uns lediglich die Vokabel Gott bleibt, es keinen Grund gibt, weshalb wir nicht dieses Wort selbst streichen sollten.

Für viele liberale Theologen (selbst wenn sie nicht behaupten, Gott sei tot) sind gewisse andere Dinge tot. Da sie die Tatsache ablehnen, dass Gott in der Bibel und durch Offenbarungen dem Menschen Wahrheiten mitgeteilt hat, die in klaren Sätzen ausgedrückt werden können, ist der Inhalt des Begriffes „Gott“ tot und jegliches Wissen um die Existenz eines persönlichen Gottes ebenfalls. Man hat nur noch religiöse Begriffe ohne Inhalt und die Gefühle, die durch gewisse religiöse Wörter hervorgerufen werden. Das ist alles.

zurückDer letzte Mensch

Der nächste Schritt ist dann die reine Manipulation des Menschen. Mit Kommunismus und National­sozialismus wurden schon eindrucksvolle Belege für die Manipulierbarkeit des Menschen geliefert. Feminismus und Genderismus manipulieren heute die Menschen nicht nur der westlichen Welt. Dazu werden religiöse Vokabeln gebraucht, oder religions­ähnliche Heilsversprechen gemacht, die geeignet sind, den Willen stark zu beeinflussen, weil sie unserer religiösen Vergangenheit entnommen sind; da sie aber von ihrem ursprünglichen Gehalt und Kontext getrennt sind (Begriffe wie Gleichheit oder Gerechtigkeit), können sie beliebig eingesetzt werden. Wie ein Banner können Worte die Menschen ergreifen und sie in jede beliebige Richtung tragen – sei es in der Sexualethik, oder dass man rechtliche und politische Willkür damit begründet.

Friedrich Nietzsche (1844-1900) hat sehr wohl verstanden, wo es die Menschen hinbringt, wenn sie sagen, Gott sei tot. Wenn Gott tot ist, dann ist alles tot, für das Gott eine Antwort bedeutet oder dem Gott einen Sinn gibt.

Nietzsche hat sehr kraftvoll beschrieben, wohin der Versuch der modernen Theologen hinführt, wenn sie allein vom Menschen ausgehen. In einem stilistisch dichten Aphorismus lässt der den Sprecher darin grauen vor der Schreckensvision, dass die zivilisierte Welt ihr bisheriges geistiges Fundament weitgehend zerstört habe:

„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“ [5]

Nietzsche war davon überzeugt, dass dieser unfassbare Vorgang gerade wegen der großen Dimension lange brauchen werde, um in seiner Tragweite erkannt zu werden: „Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Diess ungeheure Ereigniss ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.“ Und es wird gefragt: „Ist nicht die Grösse dieser That [Gott getötet zu haben] zu gross für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen?“[5] Unter anderem aus diesem Gedanken heraus erscheint später die Idee des „Übermenschen“, wie sie vor allem im Zarathustra dargestellt wird: „Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“[6] Wenn Gott tot ist, dann muss sich der Mensch selbst auf seinen Thron setzen. Die Menschheit hat diese Übermenschen, die sich zu „Göttern“ erhoben, in Gestalt von Lenin, Stalin, Hitler, Mao und Pol Pot schon einige Male erleben „dürfen“.

Die Frage des Werts von moralischen Systemen bleibt ungelöst:

„Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat.“ [7]

Möglicherweise kann erst nach Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot die Tiefe dessen, was Nietzsche zum Ausdruck bringen wollte, erfasst werden.

Seitdem die christliche Weltanschauung verworfen wurde, haben (westliche) Philosophen und Natur­wissen­schaftler überhaupt keine Grundlage mehr, auf der sie die Frage nach einer gesicherten Existenz beantworten könnten. Die Wissenschaft, wie man sie heute versteht, hat keine erkenntnis­theoretische Grundlage, auf der man sicher sein kann, dass das, was die Wissenschaftler zu beobachten meinen, tatsächlich dem entspricht, was vorhanden ist.[8] Dazu gehören auch die Aussagen so genannter Gender­wissen­schaftler über das Verhältnis von Mann und Frau, sowie zur Familie. Weil wir aber in unserem täglichen Leben eine Übereinstimmung zwischen Außenwelt und uns feststellen, weil Gott Subjekt und Objekt in einem zweckmäßigen Verhältnis zueinander geschaffen hat, kann der Mensch das Universum weiter erforschen. Der springende Punkt aber ist der, dass der Humanist für die Erkenntnis­gewinnung innerhalb seines eigenen philosophischen Systems keine rationale Basis aufzuweisen hat. Sein Optimismus in Bezug auf Erkenntnis der Außenwelt steht auf sehr schwachen Füßen.

Francis Schaeffer sieht die Gefahr einer „soziologischen Wissenschaft“, weil gerade der Mangel an objektiver Erkenntnis es gewissen Leuten einfacher macht, die Schlüsse zu ziehen, die sie in jedem gewünschten Fall für ihre soziologischen Ziele brauchen. Man könnte es auch Pseudo­wissen­schaft zur politischen Manipulation nennen. Francis Schaeffer (1912-1984) hat die massenhafte Etablierung der Gender studies nicht mehr erlebt, wohl aber so etwas kommen sehen. Gender studies und Queer theory sind das Ergebnis der Tatsache, dass die grundlegende Aussage der Menschheit „Der Mensch wurde als Frau und Mann erschaffen“ nicht mehr gilt. Ohne objektiven Maßstab kann die Aussage, dass es neben normalen Frauen und Männer noch schwule Männer und lesbische Frauen gibt (die als gleichwertige sexuelle Identitäten anerkannt werden sollen), noch dazu noch bi-, trans- und inter­sexuelle Identität, weder als Sinn anerkannt noch als Unsinn abgelehnt werden. Wer es allerdings wagt, die Sinnhaftigkeit der Gender-Ideologie, beziehungsweise Queer-Theorie, auch nur anzuzweifeln, wird von der Political correctness nicht mit objektiven Argumenten belehrt, sondern mit Attributen wie „frauen­feindlich, homophob, intolerant, rück­wärts­gewandt und rechtsextrem“ bedacht.

Die Frage, ob es sich um eine sexuelle Identitätsstörung oder um eine verkannte Identität handelt, hilft den Betroffenen nicht wirklich weiter, aber darum geht es in diesem ideologischen Streit gar nicht. Es geht auch nicht um eine objektive Klärung, weil dafür der Maßstab fehlt. Letztlich geht es wohl nur um die Absicherung des einzigen absoluten Satzes, dass es keine Absoluta geben darf. Die Betroffenen werden sehr wahrscheinlich hierbei nur als „Nützliche Idioten“ benutzt. Es manifestiert sich hier wieder das alte Problem, dass der moderne Mensch die Gewissheit darüber, was er eigentlich ist, verloren hat. Legt man die Aussagen feministischer Autoren wie de Beauvoir zugrunde, ist der moderne Mensch nur ein Zellhaufen, der zufällig nicht von einer emanzipierten Frau abgetrieben wurde.

Während Rousseau noch der „edle Wilde“ als Maßstab vorschwebte, soll es heute wohl die „lesbische Frau“ oder die „alleinerziehende Mutter“ sein. Wie Rousseau den zivilisierten Mensch als verderbt und den edlen Wilden als unverdorben ansah, so sehen Feministen heute den Mann als durchweg böse und die Frau als naturhaft gut an. Die Feministen werden wie Rousseau in ihrer Einschätzung enttäuscht werden. Es geht hierbei also weder um sexuelle Identität noch um Toleranz­fragen, sondern um den Zeitgeist, der sich wiederum in einem jahrhunderte­langen Prozess der wissen­schaft­lichen und theologischen Entwicklung herausgebildet hat. Kommunismus, Feminismus und Genderismus bilden hierbei nur die (vorerst) letzte Etappe einer sehr langen Entwicklung, ohne deren Kenntnis der Abschnitt über die ideologische Familien­zerstörung in seiner tieferen Bedeutung nicht erfasst werden kann.

Es geht um die Erkenntnis, dass als konsequentes Ergebnis der humanistischen Position, keine absoluten Maßstäbe aufstellen zu wollen oder zu können, alle Bereiche des privaten und politischen Lebens zum Gegenstand völlig willkürlicher Entscheidungen werden. Nicht zuletzt deshalb plädieren die Autoren dafür, die Familie als einen privaten Ort zu begreifen, in den Staat und Politik nicht eingreifen dürfen.

zurückNachtrag

Der Anspruch des Buches ist, die Mechanismen der Familien­zerstörung im Hier und Heute aufzuzeigen und nicht bei „Adam und Eva“ anzufangen. Im vorstehenden Abschnitt konnte lediglich angedeutet werden, dass wesentlich tiefer gegraben werden muss, wenn das Warum und Wieso der Familien­zerstörung in seiner ganzen Tiefe erfasst werden soll. Dabei sind Zeiträume zu betrachten, die die Lebensspanne eines Menschen weit übersteigen.

Francis Schaeffer, der hier ausgiebig zitiert wurde[1], spricht in seinem Abriss der abendländischen Kulturgeschichte die Familienzerstörung gar nicht an. Es bedarf allerdings wenig Phantasie, um sich vorzustellen, dass Ideen wie die zersplitterte Kultur und der zersplitterte Mensch, die zur Entwertung und schließlich zur Absurdität aller Dinge führen, auch die Zersplitterung und Entwertung von Ehe und Familie mit einschließen. Es ist gar nicht notwendig, die Sichtweise Schaeffers zu übernehmen, um zu erkennen, dass die Familien­zerstörung nicht als ein losgelöstes Phänomen zu verstehen ist, sondern als ein Prozess, der in einem größeren Zusammenhang steht.

Die Entwicklung der liberalen Theologie lieferte das Beispiel, wie Religion auf den Begriff Gott reduziert werden kann und wenn religiöse Begriffe inhaltslos geworden sind, es keinen Hinderungs­grund mehr gibt, auf diese Begriffe ganz zu verzichten. Analog werden in der liberalen Familien­politik erst familiäre Handlungs­felder entweder zerstört oder auf den Staat übertragen, wodurch die Familie immer mehr auf den Begriff selbst reduziert wird. Letztlich wird selbst der Begriff Familie seines Inhalts beraubt (Stichworte dafür sind: Homo-Ehe, Ein-Eltern-Familie, Flickwerk­familie, Lebens­abschnitts­gemein­schaft, „Neue Lebens­formen“). Ist die Institution erst derart der Beliebigkeit preisgegeben, kann auch auf das Wort Familie verzichtet werden. Das tut die Politik nur deshalb nicht, weil durch die Wörter Ehe und Familie (noch) Gefühle hervor­gerufen werden, die sich aus Erinnerungen früherer Bedeutungen speist.

Dasselbe Thema, nur weit weniger ausführlich als Francis Schaeffer, verarbeitet Jan Fleischhauer in „Auf dem Weg zum Sonnenstaat – eine kleine Geschichte der Linken“.[9]

zurückDie Sinnkrise und das Nichts

War der Dadaismus noch der künstlerische Ausdruck der Sinnlosigkeit, der aufgelösten Werte, so ist die „Unendliche Geschichte“ (Thienemann Verlag 1979) von Michael Ende eine Gegenbewegung dazu.

Über die „Unendliche Geschichte“ sagt Michael Ende: „Das ist die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er muss hineinspringen in dieses Nichts, das müssen wir Europäer nämlich auch tun. Es ist uns gelungen, alle Werte aufzulösen, und nun müssen wir hineinspringen, und nur, indem wir den Mut haben, dort hineinzuspringen in dieses Nichts, können wir die eigensten, innersten schöpferischen Kräfte wieder erwecken und ein neues Phantásien, das heißt eine neue Wertewelt, aufbauen.“

In der „Unendlichen Geschichte“ werden Märchen­elemente werden oft nur nachgeahmt oder nachgestellt und besitzen kein festes Fundament. Ende ersetzt auf diese Weise das Geheimnis der Welt, das einst im Mythos enthalten war und im Märchen einen ästhetischen Ausdruck gefunden hatte, durch das Geheimnis des Ichs. Unter Beibehaltung der märchen­haften Hülle hat Ende den Gehalt gewechselt.

Ähnliche Wendungen haben sich auch in der Science-Fiction-Literatur vollzogen. Sie sind im Kontext einer postmodernen Sinnkrise zu sehen. Die Welt ist durch die Natur­wissen­schaften zwar erklärbarer und kontrollierbarer, aber keineswegs sinnvoller geworden. Die daraus resultierende Sinnsuche hat in der Science-Fiction-Literatur eine Thematisierung der „Innenwelt“ nach sich gezogen. Bei den Acht­und­sechzigern führte sie zu Drogen­experimenten, bei Ende zu einer Mythologisierung des Ichs.

Mit seiner Erzählung wendet sich Michael Ende gegen den Materialismus und die Geringschätzung der Phantasie: „Ich habe Zeit meines Lebens nach Hinweisen und Gedanken gesucht, die uns herausführen könnten aus dem Weltbild des Nur-Beweisbaren.“ Der von Ende beklagte „Funktionalisierungs­wahn“ einer seelenlosen Phalanx der „Aufklärungs­terroristen“ wird durch „das Nichts“ verkörpert. Das schleichende Nichts, das Phantásien auffrisst, ist die Banalität, die Bedeutungs­losigkeit der Welt. Ende wirbt damit für einen Ausgleich zwischen der Welt der harten Fakten und der Welt der Phantasie.

Michael Ende ist es gelungen, die Sinnkrise als bedrohlich für die Gesellschaft zu beschreiben, ohne dabei moralisieren oder belehren zu wollen. Der große Publikumserfolg ist ein Indiz dafür, dass Ende damit den Nerv der Zeit getroffen hat. In der Familienpolitik, um im Bild zu bleiben, frisst das schleichende Nichts weiterhin die Familien auf. Möge der durch dieses Buch belebte Diskurs dazu beitragen, die nötigen schöpferischen Kräfte wieder zu erwecken, um diesen destruktiven Prozess zu stoppen.



[1] a b Francis Schaeffer: „Wie können wir leben? Aufstieg und den Niedergang der westlichen Kultur“, Hänssler-Verlag 1995, ISBN 3-7751-1038-0
[2] Hadayatullah Hübsch: „Keine Zeit für Trips. Autobiographischer Bericht“, Koren&Debes/Verlag Der Islam 1991, ISBN 3-910078-01-X
[3] Hadayatullah Hübsch: „PENG. Langer Brief eines 68ers an seine Tochter“, Betzel Verlag 1993, ISBN 3-929017-16-4
[4] Klaus Rainer Röhl: „Linke Lebenslügen. Eine überfällige Abrechnung.“, Ullstein 1994, ISBN 3-548-36634-1, S. 52f.
[5] a b Die fröhliche Wissenschaft, Zweites Buch, Aphorismus 125 „Der tolle Mensch“ (KSA 3, S. 480 ff.)
[6] Also sprach Zarathustra, Erster Theil, Von der schenkenden Tugend 3 (KSA 4, S. 102)
[7] Zur Genealogie der Moral, Erste Abhandlung, Anmerkung nach Abschnitt 17 (KSA 5, S. 289)
[8] Zu diesem Ergebnis kommt auch der Informatiker Hadmut Danisch, der in seinem Buch Frauenquote sich mit Genderismus und der Radikalfeministin Susanne Baer beschäftigt hat: „Immer mehr von deren Behauptungen stellen sich als nicht nachprüfbar heraus. Oder andersherum gesagt: Ich habe ja einige Fachliteratur zum Thema Gender gelesen. Und mir fällt keine einzige Behauptung der Genderisten ein, die einer Nachprüfung standgehalten hätte oder überhaupt irgendeinen nachvoll­ziehbaren Ursprung gehabt hätte. Gender stellt sich als frei erfundenes Gebrabbel heraus.“
[9] Jan Fleischhauer: „Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde.“, Rowohlt 2009, ISBN 3-498-02125-7